Haarausfall

Haarausfall nach der Schwangerschaft: Was tun?

Medical Director Dr. Hans-Georg Dauer

Mai 25, 2022

Das Baby ist da, die Haare sind weg. Genau dieses Phänomen erleben viele Frauen nach der Geburt. Umso gefürchteter ist die Zeit nach der Entbindung. Doch warum kommt es eigentlich zu Haarausfall nach der Schwangerschaft? Wie äußert er sich und was kann ich dagegen tun? Hair & Skin geht der Sache auf den Grund.

Typische Ursachen für Haarausfall – die üblichen Verdächtigen

Ohne Nährstoffe, ohne mich – da ist unser Körper rabiat. Zurecht: Der kostbare Input ist schliesslich sein Benzin. Er hält den Motor am Laufen. Für jede einzelne Funktion benötigt er Nährstoffe. Das gilt natürlich auch für unsere Haare. Das äusserst stoffwechselaktive Organ verzehrt sich förmlich nach Nährstoffen.

Besonders viele Nährstoffe wünscht sich unser Haar in der sogenannten Wachstumsphase, der Anagenphase. Der energieintensive Prozess mit hoher Zellteilung verlangt unseren Haarfollikel einiges ab. Nur mit reichlich Vitalstoffen können sie den anspruchsvollen Prozess erfolgreich meistern. Umso härter trifft sie ein Nährstoffmangel.

Ist unser Nährstoffspeicher erschöpft, arbeiten unsere Haarfollikel nur noch auf Sparflamme. Und je halbherziger sie ihre Pflichten erfüllen, desto schneller wechseln sie von der Wachstumsphase in die Ruhephase (Telophase). Jetzt stellen die Follikel ihre Stoffwechselaktivität Schritt für Schritt ein – so lange, bis sie verkümmern. Und sobald das Haar verkümmert ist, geht es uns verloren.

Doch wie genau kommt es nun zu dem Haarverlust (Alopezie)? Das hat ganz verschiedene Gründe. Mal steckt eine stressige Lebensphase dahinter, mal eine einseitige Ernährung. Oft haben die Gene ihre Finger im Spiel. In diesem Fall spricht der Experte von androgenetischer Alopezie. Gelegentlich haben aber auch Haut- und Autoimmunerkrankungen Schuld am Haarausfall.

Ein weiterer Übeltäter sind unsere Hormone. Ob vor oder während der Menstruation, in der Pubertät, in der Menopause oder nach der Schwangerschaft – wenn die Hormone verrücktspielen, tut es auch unser Haarwachstum.

Haarausfall nach der Schwangerschaft - Was steckt dahinter?

Gerade nach der Schwangerschaft klagen viele Frauen über Haarausfall. Schuld an den lichter werdenden Stellen im Haarkleid ist eine massive Hormonumstellung. Der Östrogenspiegel verändert sich.

Während der Schwangerschaft ist der Körper mit Östrogen gesegnet. Und je mehr er von dem weiblichen Sexualhormon Östrogen zur Verfügung hat, desto mehr freuen sich Haar und Haut. Das Haar wird kraftvoll, füllig und glänzend. Nur leider ist dieser Schönheits-Boost nicht von Dauer.

Nach der Schwangerschaft müssen sich die meisten Frauen von der Haarpracht wieder verabschieden. Schuld ist wieder der Hormonspiegel. Nach der Geburt sinkt der erhöhte Östrogenspiegel im Körper deutlich ab. Die Folge: Das Haarwachstum verkürzt sich und die Haare fallen aus. In diesem Fall sprechen wir vom postpartalem Effluvium, von einer Spezialform von diffusem Haarausfall.

Doch es gibt auch gute Nachrichten: Meist pendelt sich der Haarverlust von selbst wieder ein. Spätestens sechs bis neun Monate nach der Geburt normalisiert sich das Haarwachstum. In der Zwischenzeit lässt sich die Alopezie mühelos mit raffinierten Haarschnitten kaschieren – am besten mit Frisuren mit Pony oder markantem Seitenscheitel.

Dauert der Haarverlust länger als neun Monate an, lohnt sich ein Gespräch mit dem Dermatologen oder Gynäkologen. Womöglich leidest du an einem Nährstoffmangel, verursacht durch die Schwangerschaft. Umso wichtiger ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung.

Traumhaft volles Haar in der Schwangerschaft und Stillzeit: Wie lässt sich der Schönheits-Boost erklären?

Werdende Mütter haben Grund zur Freude: Während der Schwangerschaft sind sie mit umwerfend üppigem, dichtem und glänzendem Haar gesegnet. Zu verdanken haben sie die Haarpracht dem hohen Östrogenspiegel in ihrem Körper. Denn in der Schwangerschaft legt dieser spürbar zu.

Am besten zeichnet sich dieser hohe Östrogenspiegel sich in Haut und Haar ab. Der Teint wird rein, zart und ebenmässig. Das Haar gewinnt an Fülle, Volumen und Glanz. So hat sich Östrogen seinen Spitznamen "das Schönheitshormon" redlich verdient.

Selbst kurz nach der Schwangerschaft wirkt das Schönheitshormon noch wahre Wunder. Umso mehr Freude haben frisch gebackene Mütter in der Stillzeit an ihrer Haarpracht.

Haarausfall nach der Schwangerschaft - Muss ich mir Sorgen machen?

Wenige Monate nach der Schwangerschaft lichtet sich dein Haar? Diese Feststellung ist natürlich erst mal ein Schock. Was ist da los? Stimmt etwas nicht mit mir? Warum habe ich plötzlich weniger Haare?

Doch es gibt Entwarnung: Haarausfall nach der Schwangerschaft ist keine Seltenheit. Ganz im Gegenteil: Es handelt sich um eine völlig natürliche Reaktion des Körpers. Er reagiert nur auf die massiven Umstellungen im Hormonhaushalt.

Die besten Neuigkeiten für frische gebackene Mütter: Die Alopezie ist meist nur temporär. Sprich: Der vermehrte Haarausfall nimmt für gewöhnlich von selbst wieder ab. Alles, was du mitbringen musst, ist Geduld. Denn spätestens neun Monate nach der Geburt hat sich dein Hormonhaushalt meist wieder von selbst eingependelt. Und sobald sich das Östrogenlevel wieder auf Normalniveau bewegt, kommt der Haarverlust wieder zum Stillstand.

Nach der Schwangerschaft leidest du an ungewöhnlich starkem Haarausfall? Selbst neun Monate nach der Entbindung will er immer noch nicht nachlassen? Dann ist besondere Vorsicht geboten. Wende dich vorsichtshalber an einen Dermatologen oder Frauenarzt deines Vertrauens und kläre die Alopezie ab.

Denn nicht selten ist starker Haarverlust nach der Schwangerschaft auf einen Nährstoffmangel zurückzuführen – insbesondere auf einen Eisenmangel. Der Grund: Für ein gesundes und ausgewogenes Haarwachstum braucht unser Körper Eisen. Sind die Eisenspeicher jedoch erschöpft, macht sich der Mangel schnell im Haarkleid bemerkbar. Es wird dünner und kraftloser.

Doch kein Grund zur Panik: Falls dem so ist lässt sich das Problem meist schnell und einfach beheben. Schon ein ausgewogener Speiseplan mit reichlich Spinat, Nüssen, Mandeln, Trockenfrüchten, Fleisch und Fisch bringt die aufgebrachten Haarfollikel zur Vernunft.

Haarausfall in der Schwangerschaft - Wie lange dauert er an?

Wann genau der Haarausfall einsetzt, ist von Frau zu Frau verschieden. Bei den einen beginnt er bereits wenige Wochen nach der Geburt, bei den anderen erst nach fünf Monaten.

Auch die Stärke des Haarverlusts variiert. Während sich die einen nur von wenigen Haaren verabschieden müssen, verlieren die anderen die Haare büschelweise. Nicht selten sammeln sich ganze Haarbündel auf dem Kopfkissen oder im Waschbecken. Verständlich, dass die frisch gebackene Mama erst einmal in Panik gerät.

Aber zum Glück ist die Panik meist unbegründet. Denn nach sechs bis neun Monaten Alopezie findet das Haarwachstum in der Regel von selbst wieder in seinen natürlichen Hormonhaushalt zurück – ganz ohne fremde Hilfe.

Sorgen machen musst du dir erst, wenn neun bis zehn Monate nach der Entbindung immer noch keine gesunden und kräftigen Haare nachwachsen. Spätestens dann solltest du einen Termin mit deinem Gynäkologen oder Dermatologen vereinbaren – sicher ist sicher.

Haarausfall nach der Schwangerschaft: Was kann ich tun?

Ein Wundermittel gegen Haarausfall nach der Schwangerschaft muss leider erst noch erfunden werden. Schliesslich handelt es sich um eine völlig normale Reaktion des Körpers. So lautet die goldene Regel: Ruhe bewahren. Mit ein klein wenig Geduld hast du deine Haarpracht bald wieder.

Ganz machtlos bist du aber natürlich auch nicht gegen die Alopezie. Mit diesen Tipps und Tricks kannst du dein Haarwachstum aktiv unterstützen:

  • Schlaf: Wusstest du, dass Schlafmangel Haarausfall begünstigt? Ganz genau, deshalb brauchen frisch gebackene Mütter eine Extraportion Schlaf.
  • Anti-Stress-Rezepte: Zugegeben: Das Leben mit einem Neugeboren ist wundervoll, aber manchmal auch ganz schön stressig. Alles ist neu und ungewohnt. Da kann der Stresspegel nach einer unruhigen Nacht schon einmal nach oben schnellen – sehr zum Leidwesen für dein Haar. Denn Stress bekommt ihm ganz und gar nicht. Umso wertvoller sind Anti-Stress-Strategien. Gönn dir einen langen Spaziergang im Park oder ein Nachmittagsnickerchen auf dem Sofa. Nimm ein heisses Schaumbad oder entspanne bei deiner Lieblingsserie. Oder wie wäre es mit einem guten Buch, ruhiger Musik oder einer grossen Tasse Kräutertee? Yoga und Pilates sind natürlich auch Gold wert – genau wie autogenes Training oder die progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Am besten hörst du auf deinen Bauch und findest deine ganz persönlichen Anti-Stress-Rezepte.
  • ausgewogene Ernährung: Nach der Schwangerschaft hat dein Körper alle Hände voll zu tun. Mit ganzer Kraft steuert er zu seinem natürlichen Rhythmus zurück. Und für diesen Kraftakt braucht er jede Menge Energie. Und woraus könnte er mehr Energie schöpfen als aus unserer Nahrung? Umso wichtiger ist nach der Schwangerschaft eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Verwöhne dich mit frischem Obst und Gemüse, Nüssen und Hülsenfrüchten, weissem Fleisch und Fisch sowie hochwertigen Vollkornprodukten. Deine Kopfhaut wird es dir danken.
  • Nahrungsergänzungsmittel: Ein Nährstoffmangel ist nach der Schwangerschaft keine Seltenheit. Kein Wunder, dein Körper hat schliesslich gerade ein kleines Wunder vollbracht. Besonders häufig tritt nach der Entbindung übrigens ein Eisenmangel auf. Nicht ohne Grund empfehlen viele Ärzte Neu-Mamas Nahrungsergänzungsmittel. Doch Vorsicht: Ohne ärztliche Absprache ist von den Zusätzen dringend abzuraten.
  • Kopfmassagen: Was hältst du von regelmässigen Besuchen im Haar-Spa? Denn welche Kopfhaut könnte zu wohltuenden Massagen schon Nein sagen? Nachweislich regen die kreisenden Bewegungen ihre Blutzirkulation an und reduzieren so den Haarverlust. Ideal sind zwei Massagen pro Tag – eine morgens, eine abends. Tipp: Noch stärker ist der Effekt der Kopfmassagen in Verbindung mit einem pflegenden Haaröl.
  • sanfte Pflegehelfer: Stell dir dein Haar wie kostbares Porzellan vor. Würdest du dann immer noch den grobzackigen Kamm benutzen? Keinesfalls, mit sanften Pflegehelfern bist du besser beraten. Eine gute Wahl triffst du mit Kämmen und Bürsten mit Naturhaarborsten. Genauso grosse Vorsicht ist bei Haaraccessoires wie Haarklammern und Haargummis geboten. Am besten tauschst du deine engen Synthetikprodukte gegen lockere Alternativen aus Seide ein.
  • Haarpflege mit Köpfchen: Shampoo ist nicht gleich Shampoo und Conditioner ist nicht gleich Conditioner – schon gar nicht nach der Schwangerschaft. Denn gerade in dieser sensiblen Phase benötigt unser Haar eine sensible Pflege. Auf der sicheren Seite stehst du mit milden Naturprodukten ohne Silikone und Parabene. Sanft reinigen und stärken sie dein Haar, ohne es mit chemischen Zusätzen zu beschweren.
  • Weniger ist mehr: Nicht nur milde Pflegeprodukte spielen nach der Schwangerschaft eine Hauptrolle in deinem Kulturbeutel. Es sollten auch weniger sein. Denn je mehr verschiedene Wirkstoffe deine Kopfhaut zu verarbeiten hat, desto gestresster ist sie. Und auf Stress kann sie in dieser besonderen Phase guten Gewissens verzichten.
  • Einmal nachschenken bitte: Nur eine gut hydratisierte Kopfhaut ist auch eine glückliche Kopfhaut. So lautet die goldene Regel für ein reges Haarwachstum: trinken, trinken, trinken. Schenk dir pro Tag zwei bis drei Liter Flüssigkeit ein – ob stilles Wasser, Kräutertees oder leichte Fruchtschorlen.
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